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Südtiroler Sanitätsbetrieb | 21.12.2018 | 13:37

Neue OP-Technik

An Gebärmutterhals- oder Vulvakrebs zu erkranken, bedeutet meist, eine größere Operation über sich ergehen zu lassen, mit allen damit verbundenen Folgen. An der Gynäkologie am Krankenhaus Bozen geht man nun neue Wege: Die Zusammenarbeit mit einem Experten der „Leipzig School for radical pelvic surgery“ (Beckenbodenchirurgie), Prof. Michael Höckel, ermöglicht eine neue, onkologisch sicherere und darüber hinaus gewebeschonendere Technik. In einer Pressekonferenz zeigt Primar Martin Steinkasserer die Vorteile dieser Operationen auf.

Neue OP-Technik vorgestellt: Primar Martin Steinkasserer, Sanitätsdirektor Thomas Lanthaler, Landesrätin Martha Stocker, Prof. Michael Höckel (v.l.n.r.)ZoomansichtNeue OP-Technik vorgestellt: Primar Martin Steinkasserer, Sanitätsdirektor Thomas Lanthaler, Landesrätin Martha Stocker, Prof. Michael Höckel (v.l.n.r.)

Jedes Jahr erkranken in Südtirol rund 20 Frauen an Gebärmutterhalskrebs, medizinisch Zervixkarzinom genannt. Dieser Tumor entsteht aus verändertem Gewebe des Gebärmutterhalses, größter Risikofaktor ist eine Infektion mit dem humanen Papillomavirus (HPV). Impfungen können davor weitgehend schützen, aber auch andere Faktoren wie z.B. Nikotinkonsum oder eine frühe sexuelle Aktivität können zu einem vermehrten Auftreten führen. Weltweit kommt diese Tumorart unterschiedlich oft vor; der Altersgipfel liegt bei rund 50 Jahren. Vorsorgeuntersuchungen können Gebärmutterhalskrebs oft bereits im Frühstadium erkennen. Liegt jedoch ein Gebärmutterhalskrebs vor, ist eine meist ausgedehnte Operation unumgänglich, zusätzlich ist in manchen Fällen auch eine Strahlen- oder Chemotherapie erforderlich. 

Die Erkrankungsrate an Vulvakarzinomen (Vulva = weibliche Scham) ist etwas geringer, jedoch wird diese Diagnose immerhin bei rund 15 Frauen in Südtirol jedes Jahr gestellt. Der „Trend“ geht dabei in eine negative Richtung: Europaweit sind die Erkrankungszahlen stark im Ansteigen, in den letzten zehn Jahren kam es zu einer Verdoppelung der Fallzahlen. Auch bei der Entstehung eines Vulvatumors spielt das HP-Virus eine große Rolle. Der Erkrankungsgipfel liegt meist im höheren Lebensalter, jedoch erkranken zunehmend auch junge Frauen daran.  Eine Gewebeprobe mit anschließender mikroskopischer Untersuchung führt zur Diagnose. Auch im Falle einer bösartigen Erkrankung der Vulva ist meist eine ausgedehnte Operation mit eventueller nachfolgender Strahlenbehandlung erforderlich. 

Operativ wird in beiden Fällen bisher meist auch gesundes Gewebe entfernt: Dies, um ein Wiederauftreten so gut wie möglich zu vermeiden. Diese Art von Eingriffen sind für die Patientin belastend, doch bisher unumgänglich. Prof. Michael Höckel von der „Leipzig School of radiac pelvic surgery“ hat eine neue Technik entwickelt, die wissenschaftlich auf große Resonanz trifft (so z.B. auch an den Unikliniken in Essen und München): Mit sog. „mesometrialen Resektionen“ können bösartige Erkrankungen in den Stadien I und II ohne zusätzliche Strahlentherapie mit sehr hoher (über 95%) Erfolgsrate sowohl was das Wiederauftreten wie auch geringere operationsbedingte negative Folgeerscheinungen begrenzt werden. Bei Vulvakarzinomen kommt noch dazu, dass in der selben Operation eine plastische Wiederherstellung durchgeführt werden kann. 

Für Primar Martin Steinkasserer bedeutet diese Art von Eingriff einen Qualitätssprung in der Behandlung: „Die Möglichkeit, ein Krebsfeld radikal, aber gewebeschonend operieren zu können, führt zu einer bedeutenden Verbesserung der Tumorkontrolle. Auf eine zusätzliche, in manchen Fällen sehr belastende Strahlen- oder Chemotherapie kann dadurch häufig verzichtet werden.“

Auch Sanitätsdirektor Thomas Lanthaler begrüßt diese neue Methode: „Wir sind natürlich froh, dass wir bereits jetzt in unseren Krankenhäusern den betroffenen Patientinnen eine sehr hohe Qualität der Betreuung anbieten können. Es gibt auch Fälle, in denen nach wie vor eine klassische Operation nach den allgemeingültigen Krebsleitlinien indiziert ist, die zu operierenden Patientinnen werden nach festgelegten Protokollen für diese Art von Eingriff vorgeschlagen. Uns als Betrieb erscheint es aber auch wichtig, dass wir von Anfang an mit dabei sind, wenn neue Methoden entwickelt werden.“

Prof. Höckel und Primar Steinkasserer kennen sich seit Jahren und stehen in regem fachlichen Austausch. Nun wird die Zusammenarbeit auf eine neue Basis gestellt. Betroffene Patientinnen können laut Studienprotokollen am Krankenhaus Bozen in Zusammenarbeit mit Professor Höckel behandelt werden. Auch Kurse und Fortbildungen sollen gemeinsam mit der „Leipzig School for radical pelvic surgery“ organisiert werden. Wichtig erscheint auch der interdisziplinäre Ansatz der Behandlung der Patientinnen unter Mitarbeit der Abteilungen für anatomische Pathologie, Urologie und Chirurgie. Aus wissenschaftlicher Sicht ist diese Zusammenarbeit zwischen Bozen und Leipzig wichtig“, erklärt Steinkasserer. „Neben der höheren Überlebensrate steigt dadurch auch unsere chirurgische Expertise und Jungärzte sehen, dass wir auf höchstem wissenschaftlichen Niveau arbeiten.“ 

Sechsmal im Jahr werden im Rahmen von operativen Workshops Frauen, die an Gebärmutterhals- oder Vulvakrebs erkrankt, sind am Krankenhaus Bozen operiert. 

Informationen für die Medien: Abteilung Kommunikation, Marketing und Bürgeranliegen des Südtiroler Sanitätsbetriebes, Tel. 0471 907153

(SF)



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