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Südtiroler Sanitätsbetrieb | 07.12.2018 | 17:26

Neue Modelle der wohnortnahen Gesundheitsversorgung vorgestellt

Die Stärkung der wohnortnahen Gesundheitsversorgung durch die Ärzte für Allgemeinmedizin, die konsequente Zusammenarbeit aller Dienste im Territorium und die Implementierung von Betreuungspfaden zur Versorgung von Menschen mit chronischen Erkrankungen stand auf der Agenda der heutigen (6. Dezember) Pressekonferenz, zu der Landesrätin Martha Stocker eingeladen hatte.

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Eröffnet wurde die Pressekonferenz von Michael Mayr, dem Direktor des Ressorts für Gesundheit, Sport, Soziales und Arbeit, der auf die Hauptthemen: Masterplan Chronic Care, die Dienstleistungscharta für Allgemeinmedizin und das neue Modell der Vernetzten Gruppenmedizin sowie den Betreuungspfad Diabetes verwies.

Ein besonderer Dank galt den Mitgliedern der verschiedenen Arbeitsgruppen – den Gewerkschaften der Allgemeinmediziner, den Rentnergewerkschaften, dem Dachverband für Soziales und Gesundheit sowie der Verbraucherzentrale Südtirol und dem Verein CittadinanzAttiva Südtirol, die für die Erarbeitung der neuen Modelle der wohnortnahen Gesundheitsversorgung wichtige Impulsgeber gewesen seien.

Wohnortnahe Betreuung von Menschen mit chronischen Erkrankungen

Gesundheitslandesrätin Martha Stocker wies in ihrem Referat darauf hin, dass aufgrund der enormen Herausforderung der alternden Gesellschaft mit der einhergehenden Zunahme der chronischen Erkrankungen eines der Hauptziele des Landesgesundheitsplans 2016-2020 in der besseren Verknüpfung der sozio-sanitären Versorgung im Territorium liege. „Der Masterplan Chronic Care, die Dienstleistungscharta für Allgemeinmedizin sowie der Betreuungspfad Diabetes stellen alle wesentlichen Schritte zu einer wohnortnahen Gesundheitsversorgung dar,“ erläuterte die Landesrätin.

Der Masterplan bündelt alle wichtigen Themen der Versorgung im Territorium durch die enge Vernetzung und Zusammenarbeit aller Dienstleister, den Ärzten für Allgemeinmedizin, den Sprengeln, den Apotheken und den niedergelassenen Kinder- und Fachärzten in Abstimmung mit den Sozialdiensten und den Alters- und Pflegeheimen. Menschen mit chronischen Krankheiten werden zukünftig anhand von vereinbarten Betreuungspfade versorgt. So sollen ab dem kommenden Jahr alle Diabetiker im Land direkt von den Hausärzten begleitet werden. „Dass wir bereits auf einem guten Weg sind, haben unsere Fragebögen zum Thema Diabetes Typ II ergeben. 80.000 Menschen wurden befragt, 30 Prozent von ihnen haben die Fragebögen beantwortet. Von diesen waren wiederum 11,9 Prozent risikogefährdet. Damit liegen wir auf gesamtstaatlicher Ebene unter dem Durchschnitt von rund 15%, dennoch benötigen diese Menschen eine vertiefte Untersuchung zur möglichst frühzeitigen Erkennung und Behandlung von Diabetes“, so die Landesrätin weiter. Die neue Betreuungspfad Diabetes sehe vor, dass der Hausarzt als primärer Ansprechpartner sich um die Behandlung von potentiellen Risikogruppen bzw. Diabetes-Kranken kümmere.

Für die Umsetzung des Chronic Care Masterplans 2018-2020 zeichnet federführend Isabella Mastrobuono, Referentin des Sanitätsbetriebs für Chronic Care, in Zusammenarbeit mit allen eingebundenen Diensten verantwortlich.

Vorzeigemodell in Italien: die Dienstleistungscharta der Allgemeinmedizin

Die Dienstleistungscharta bündelt alle wichtigen Themen der medizinischen Grundversorgung mit einer klaren Übersicht zu Rechten und Pflichten sowohl der Ärzte für Allgemeinmedizin als auch der Patienten. Sie ist das erste gemeinsam verabschiedete Dokument dieser Art in Italien und wird als Vorzeigemodell gelobt.

Als Meilenstein wird vor allem die Zusammenarbeit der Ärzte für Allgemeinmedizin in der sogenannten vernetzten Gruppenmedizin hervorgehoben. „Damit sind eine Anzahl von Ärztinnen und Ärzten für Allgemeinmedizin gemeint, die in einem bestimmten Einzugsgebiet gemeinsam für die Betreuung der Bevölkerung zuständig sind“, so die Landesrätin weiter. Der eigene Hausarzt sei dabei weiterhin der primäre Ansprechpartner für die Patienten, wenn dieser jedoch nicht disponibel sei, könne bei nicht aufschiebbaren Notwendigkeiten auch ein anderer Arzt der Gruppe aufgesucht werden, ergänzte die Landesrätin. 26 vernetzte Gruppenmedizinen seien bereits entstanden, die auch über einen Referenten verfügen. „Die Figur des Referenten ist in diesem Kreislauf für eine funktionierende Kommunikation und eine verbesserte Zusammenarbeit mit anderen territorialen Gruppen und mit dem Krankenhaussystem außerordentlich wichtig“, so Stocker weiter.

Zusammenarbeit der Dienstleister ist der richtige Weg

Florian Zerzer, der Generaldirektor des Sanitätsbetriebes, hob hervor, dass die genannten Maßnahmen in die richtige Richtung laufen würden und der Weg der sozio-sanitären Zusammenarbeit von großer Bedeutung sei. „Wenn man bedenkt, dass 25% der Menschen mit einer chronischen Erkrankung heute 75% der gesamten Ressourcen des Gesundheitsdienstes benötigen, setzen wir die Schritte in die richtige Richtung“.

Eine positive Einschätzung der gemeinsamen Grundlagenarbeit gaben Monica Oberrauch, Präsidentin der Südtiroler Ärztekammer, sowie Gastone Boz von den Seniorengewerkschaften als Vertreter der Patientenorganisationen ab. Die Basis sei nun gegeben, gemeinsam wolle man an einer zügigen Umsetzung der Modelle arbeiten und sie bestmöglich unterstützen.

(LPA)


Florian Zerzer, Martha Stocker, Isabella Mastrobuono, Michael Mayr (v.l.) Zoomansicht Florian Zerzer, Martha Stocker, Isabella Mastrobuono, Michael Mayr (v.l.)

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