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Südtiroler Sanitätsbetrieb | 20.12.2018 | 14:31

Notaufnahme im Krankenhaus Bozen: erreichte Ergebnisse und Maßnahmen 2019

Die Notaufnahme Bozen ist eine der größten Italiens. Es werden in ihr etwa gleich viele Leistungen erbracht wie in jener in Bologna (Ospedale S. Orsola) oder Mailand (Ospedale Niguarda). Ein Bündel von Maßnahmen soll diese wichtige Einrichtung im Gesundheitsbezirk Bozen nun weiter verbessern.

Pressekonferenz "Notaufnahme im Krankenhaus Bozen: erreichte Ergebnisse und Maßnahmen 2019"ZoomansichtPressekonferenz "Notaufnahme im Krankenhaus Bozen: erreichte Ergebnisse und Maßnahmen 2019"

Rund 90.000 Patienten suchen jährlich die Notaufnahme des Krankenhauses Bozen auf. Damit liegt die Abteilung italienweit mit an der Spitze und steht - wie alle großen Notaufnahmen - strukturellen, organisatorischen und personellen Herausforderungen gegenüber. So z.B. kämpft auch die große Berliner Charité mit den Problemen der langen Wartezeiten, beklagt Fachkräftemangel und für Patientinnen und Patienten undurchsichtige Abläufe und Prozeduren. Schwierigkeiten, die häufig in der öffentlichen Wahrnehmung im Vordergrund stehen und negative Schlagzeilen produzieren, die dabei aber vergessen lassen, dass täglich Top-Leistungen erbracht werden.

Die Direktion des Sanitätsbetriebes hat nun in enger Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen der Abteilung und in Abstimmung mit der Bezirksdirektion ein Paket an Maßnahmen geschnürt, welches schnell umsetzbar ist und kurz- bis mittelfristig rasche Ergebnisse bringen soll. Durch diese wird gewissermaßen an „Stellschrauben“ des komplexen Systems gedreht, um die Einrichtung in ihrer Gesamtheit zu verbessern.

Service-Point für die Betreuungskontinuität
Da ist einmal der Bereitschaftsdienst für die allgemeinmedizinische Versorgung: Er wird immer dann aktiviert, wenn die Hausärzte nicht im Dienst sind. Konkret bedeutet das, dass an Werktagen von acht Uhr abends bis acht Uhr morgens und Freitag bis Montag früh um acht dieser Dienst gerufen oder aufgesucht werden kann. Auch während der Feiertage, beginnend ab zehn Uhr des Vorfeiertages, ist der Bereitschaftsdienst aktiv. Der Sitz des Dienstes befindet sich in der Galilei-Straße in Bozen, er ist für ca. 150.000 Einwohner zuständig (der Gemeinden Bozen, Leifers, Kaltern, Eppan, Jenesien und Terlan).

Zusätzlich wird an den Wochenenden ein Ambulatorium in Leifers und Eppan angeboten, in welchem auch Visiten durchgeführt werden. Künftig – geplant ist innerhalb April/Mai 2019 – soll eine zusätzliche Außenstelle direkt im Krankenhaus Bozen – in den Poliambulatorien, in unmittelbarer Nachbarschaft also zur Notaufnahme – geöffnet werden, wodurch die Bürgerinnen und Bürger die Wahl erhalten, die Notaufnahme aufzusuchen oder sich an den Bereitschaftsdienst zu wenden. Sehr oft sind die Beschwerden nämlich kleineren Ausmaßes, was bedeutet, dass der ärztliche Bereitschaftsdienst fachkundig mit Rat und Tat zur Seite stehen kann.

Für Sanitätskoordinator Roland Döcker ist dieser neue Service-Point gleich in mehrfacher Hinsicht eine sog. „Win-win“-Situation, bei der beide Seiten gewinnen: „Wir gehen davon aus, dass durch dieses zusätzliche Angebot die Notaufnahme entlastet wird. Für die Bürgerinnen und Bürger ergibt sich der Vorteil, darin weniger lange Wartezeiten in Kauf nehmen zu müssen, wie es meist bei der Notaufnahme der Fall ist – und für das Krankenhaus und den Betrieb liegt der Nutzen eindeutig in der besseren Auslastung verfügbarer Ressourcen.“

Erhöhung der Betten in der Kurzzeit- Beobachtung
Eine weitere wichtige Einrichtung im Umfeld der Notaufnahme ist die sog. „Kurzzeit-Beobachtung“ (“Osservazione breve intensiva”, OBI). Ziel dieser Kurzüberwachungsstation ist es vor allem, weniger kritische, aber doch überwachungsbedürftige Patientinnen und Patienten engmaschig zu beobachten. Es handelt sich dabei meist um weniger komplexe Krankheitsbilder, die nach spätestens 36 Stunden entweder definitiv stationär aufgenommen oder entlassen werden müssen. Die zur Verfügung stehenden diagnostischen Ressourcen und Therapien sind gleich wie im Falle einer Notaufnahme. Damit sollen nicht notwendige Aufnahmen vermieden werden, ebenso wie verfrühte Entlassungen, was für die Erkrankten eine zusätzliche Sicherheit bedeutet. Bozen verfügt aktuell über 6 solcher Betten, eine Erhöhung von 3-6 Betten wurde vereinbart. Damit wird in einem ruhigen, stressfreien Raum eine Möglichkeit zur Entlastung anderer interner Abteilungen und Dienste (in erster Linie der Inneren Medizin) angeboten. Stundenlanges Liegen inmitten von anderen Menschen kann damit – zumindest in vielen Fällen – vermieden werden.

„Schnellzuggang“ für einfachere Fälle
Wer kennt sie nicht, die Schnell-Kassen in den Supermärkten für wenige Artikel. So ähnlich funktionieren die sog. „Fast tracks“-Linien („Schnellzugang“) für Patientinnen und Patienten, welche nicht in einem kritischen Zustand sind – normalerweise als blaue oder grüne Kodizes klassifiziert. Diese Fälle können nach festgelegten Ablaufprotokollen in einer Zone der Nicht-Dringlichkeiten rasch behandelt werden. Damit kann auch einem weiteren Phänomen vorgebeugt werden: jenem des Verlassens der Notaufnahme, was Unzufriedenheit und Stress bei Patienten und Mitarbeitern mit sich bringt. Fast-Track-Leistungen betreffen jeweils einen bestimmten Fachbereich während der normalen Öffnungszeiten der Poliambulatorien. Derzeit gibt es diese für Leistungen im Bereich der HNO, Zahnheilkunde, Gynäkologie und Augenheilkunde, für das Landeskrankenhaus Bozen werden nunmehr weitere auf den Weg gebracht.

„Fragile“ Patienten
Im Italienischen nennt man sie „pazienti fragili“ (fragile Patienten), damit sind vor allem jene Kategorien gemeint, die aufgrund ihres Alters, ihrer sozialen Situation oder aufgrund ihres Gesundheitszustandes zwar nicht kritisch sind, aber doch eines geschulten Auges bedürfen: Ältere Menschen, Kinder oder Menschen mit Behinderung fallen z.B. darunter. Sie können aufgrund besonderer Umstände nicht stundenlang warten, auch wenn ihr Krankheitsbild vielleicht nicht einen prioritären Zugang vorsieht. Für diese Patientengruppen soll auf der Grundlage von festgelegten Protokollen ebenfalls ein schnellerer Zugang gewährleistet werden.

Personalaufstockung
Damit all diese Maßnahmen umgesetzt werden können, bedarf es der Personalaufstockung:
Voraussichtlich werden 3 zusätzliche Stellen im klinischen Bereich genehmigt. Sobald diese (Zusatz-)Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Dienst sind, kann auch ein zweiter ärztlicher Turnus in den Nachtstunden garantiert werden sowie ein Zusatzarzt an den Wochenenden, der sich um weniger schwerwiegende Fälle kümmert.

Verteilung von einfacheren Fällen auf andere Notaufnahmen des Landes
Eine weitere Maßnahme, die 2019 angegangen wird und für die Notaufnahme des Landeskrankenhauses eine Entlastung bringen wird, ist das Vorhaben, gemeinsam mit dem 112er Dienst und allen Verantwortlichen der Notaufnahmen des Landes auszuloten, ob und wann Transporte mit verunfallten Patienten auch andere Krankenhäuser ansteuern, immer vorausgesetzt, dass die Pathologie und Kritizität des Patienten dies erlaubt.

Videoüberwachung
Um die Sicherheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber auch der Notaufnahme-Besucher zu verbessern, soll im kommenden Jahr eine Videoüberwachung installiert werden. Innerhalb Jänner erarbeitet der Betrieb das hierfür nötige Datenschutz-Reglement. Bereits im Herbst wurde ein externer privater Wachdienst verpflichtet. Auch mit den Ordnungskräften wurden insbesondere für Samstagabend oder an besonders kritischen Tagen zusätzliche Kontrollen vereinbart.

Strafen für nicht-angemessene Zugänge
Da derzeit sehr viele Menschen die Notaufnahmen des Landes in Anspruch nehmen, obwohl sie z.B. ihren Hausarzt aufsuchen könnten, hat die Landesregierung hierzu auf die Bremse getreten: Ab Mai 2019 wird – bis auf festgelegte Aufnahmen – jeder Bürger und jede Bürgerin, die mit den Kodizes blau oder grün (nicht dringend) beim Eingang triagiert wurden, 35 Euro zahlen. Dazu kommt – falls der Patient nicht ticketbefreit ist – die Ticketquote von 15 Euro. Diese Maßnahme wird als Verwaltungsstrafe zugestellt.

Last but not least: mySabes-App
Für die vielen Nutzerinnen und Nutzer eines Smartphones oder eines Tablets wird ab dem kommenden Jahr eine weitere Neuerung bereit stehen: Eine eigene App zeigt mit einem Klick die Kontaktdaten der Abteilungen und Dienste, News zum Thema Sanitätsbetrieb, die häufigsten Vormerkzeiten, Kontakte und Infos zum Bereitschaftsdienst, geöffnete Apotheken. Besonders am Herzen lag den Entwicklern vor allem ein Info-Tool: Die Anzahl aller in Echtzeit wartenden Patientinnen und Patienten in allen Notaufnahmen des Landes wird abgebildet, unterschieden nach Krankenhäusern, triagierten Kategorien und Fachrichtungen. Damit kann man den Patientinnen und Patienten bereits vor dem Aufsuchen der Notaufnahme die Möglichkeit geben, auf ein anderes Haus – mit ev. geringerer Wartezeit – auszuweichen oder eine längere Zeit im Krankenhaus der Wahl in Kauf zu nehmen.

Für Generaldirektor Florian Zerzer ist es ein wichtiger Schritt, dass diese Aktionen gesetzt werden bzw. noch in Planung sind: „Für Ende 2019 ist der Umzug in die neue Klinik geplant. Wir wollten in dieser Übergangszeit trotzdem nicht einfach auf die Inbetriebnahme der neuen Einrichtung warten und unsere Patientinnen und Patienten bis dahin vertrösten. Alles können wir sicher nicht mit diesen Maßnahmen in Griff bekommen, aber es war mir bereits bei meinem Antritt klar, dass die Notaufnahme im Bozner Krankenhaus einiger Verbesserungen bedarf. Die Menschen hier arbeiten sehr gut und zum Teil unter schwierigen Bedingungen. Es ist mir ein Anliegen, dass wir ihnen einige organisatorische und personelle Unterstützungen an die Seite stellen. Zudem bin ich überzeugt, dass wir mit dem Angebot der Gruppenmedizin und den Strafen für eine nicht korrekt in Anspruch genommene Notaufnahmeleistung weitere Akzente setzen können, um Menschen, die diese Hilfe brauchen, eine schnelle und angemessene Versorgung zu garantieren.“

Informationen für die Medien: Abteilung Kommunikation, Marketing und Bürgeranliegen des Südtiroler Sanitätsbetriebes, Tel. 335 76 77 220

(LR)



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