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Südtiroler Sanitätsbetrieb | 28.03.2019 | 11:47

Patientensicherheit in der Betreuung großgeschrieben

Das ärztliche und pflegerische Personal des Südtiroler Sanitätsbetriebes ist täglich gefordert: Auf der einen Seite muss es rasch und umsichtig seine klinische Arbeit verrichten, andererseits darf nichts übersehen werden, was die Patientensicherheit gefährden könnte. In einem Kongress am Krankenhaus Bozen trafen sich kürzlich über 200 Personen zur Vertiefung moderner Sicherheitsaspekte im klinischen Bereich.

Patientensicherheit in der Betreuung großgeschriebenZoomansichtPatientensicherheit in der Betreuung großgeschrieben

Maßnahmen müssen bereits im Vorfeld erarbeitet werden
Ist es unbedeutend, ob die ähnlich aussehende Packung des Medikamentes X neben der Packung des Medikamentes Y liegt? Auf den ersten Blick vielleicht ja, aber in hektischen Situationen – z.B., wenn es um Leben und Tod geht – darf keine Gefahr bestehen, dass die Inhalte verwechselt werden. Oder aber die Patientenidentifikation: Auch schwerverletzte oder demente Personen müssen korrekt identifiziert werden, geeignete Maßnahmen dazu müssen bereits im Vorfeld erarbeitet werden. Gerade im Bereich der Patientensicherheit sind das nur zwei von vielen Beispielen, die – nicht beachtet - im Ernstfall schwere Schäden nach sich ziehen könnten.

Referentinnen und Referenten aus verschiedenen Bereichen
Den Organisatoren des betrieblichen Risk-Management-Kongresses, Sandra Girardi, Francesco Randazzo und Marco Angriman, war es deshalb ein Anliegen, Expertinnen und Experten aus verschiedenen Bereichen nach Bozen zu holen: So erklärte der Soziologe Attila Bruni der Universität Trient, wie wichtig es ist, Denkprozesse zu verändern: Jeder sollte ohne Angst seine eigene Meinung sagen können, Sicherheitsthemen gehen alle an. „Es muss das große Ganze im Blick behalten werden, denn Patienten- und Mitarbeitersicherheit gehen immer Hand in Hand. Niemand sollte Skrupel haben, auf etwas Unstimmiges hinzuweisen oder Verbesserungsvorschläge zu machen.“

Rechtsmedizinerin Alessandra De Palma schlug in dieselbe Kerbe: „Sicherheit ist ein Patienten- und Mitarbeiterrecht. Im Kampf Produktivität versus Sicherheit muss immer die Sicherheit Vorrang haben.“.

Die österreichischen Referenten Markus Hoge und Robert Bärnthaler erklärten ihre Erfahrungen mit dem computergestützten Reporting-System, welches auch in Südtirol seit Kurzem im Einsatz ist. Sie verwiesen dabei auf den jüngsten Flugzeugabsturz: „Es gab anscheinend schon Meldungen, nur wurden diese nicht berücksichtigt – das darf es nicht geben, denn nur wenn man die Stellungnahmen der Teams erst nimmt, kann man Verbesserungen in die Wege leitend!“ Dieses und weitere Instrumente zeigte die Südtiroler Gruppe den Anwesenden auf, denn ein gutes Reporting-System führt langfristig zu verbesserter Betreuungsqualität: „Jede Meldung muss zu einer Überprüfung führen“, so Sandra Girardi. Dass sich Qualitätsarbeit auszahlt, beweisen auch die jährlich rückläufigen Versicherungsmeldungen.

Von den Leitlinien bis zu den strafrechtlichen Aspekten
Nino Cartabellotta
der Vereinigung „GIMBE“ zeigte die aktuellen Leitlinien auf, sein Institut „Gimbe“ arbeitet mit dem Gesundheitsministerium zusammen: „Es gab und gibt viele Leitlinien, manche veraltet, andere mit unterschiedlichen Aussagen je nach Berufsbild. Für uns war und ist es wichtig, alle vorhandenen Leitlinien, die das Ministerium übernimmt, einer detaillierten Prüfung zu unterziehen.“

Wie wichtig ein engmaschiges Risk-Management ist, erklärte Alex Staffler, Primar der Neugeborenenintensivstation am Krankenhaus Bozen: „Stellen Sie sich vor, das Flugpersonal müsste bei jedem Flug bestimmte Dinge erst gemeinsam abstimmen, im Notfall erst nachfragen. Es ist klar, dass einige Dinge vorab standardisiert werden müssen und wie im Schlaf sitzen müssen. Ob die Mannschaft dann mit diesem oder jenem Team fliegt – die Abläufe sind bekannt und jahrelang erprobt. Genau diese Logik ist auch in der Medizin von Nöten: Wenn alle ganz genau wissen, was wann zu tun ist, wo sich alles befindet und alle Prozeduren bereits vorab festgelegt wurden, kommt das allen zugute.“

Sanitätsdirektor Thomas Lanthaler ist ebenfalls überzeugt davon: „Gerade an Schnittstellen ist eine abgestimmte Zusammenarbeit gefragt. Es ist daher in einem so delikaten Bereich wie dem Gesundheitswesen für alle von Vorteil und von Wichtigkeit, die neuesten Erkenntnisse für die Patientensicherheit zu kennen und die Entwicklung für gemeinsame Standards voranzutreiben.“

Der Kongress endete mit einem „Runden Tisch“ der Fachleute.

 

Informationen für die Medien:
Abteilung Kommunikation, Marketing und Bürgeranliegen des Südtiroler Sanitätsbetriebes, Tel. 335 76 77 220

(SF)



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