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Krankenhaus Bozen | 13.05.2022 | 09:21

Südtiroler Sanitätsbetrieb: Erfolgreiche Forschung trotz Pandemie

Allgemeine Chirurgie, Pneumologie und Infektionskrankheiten sind nur einige der Abteilungen des Landeskrankenhauses Bozen, die in den vergangenen Jahren trotz Pandemie wichtige Forschungsbeiträge zu klinischen Studien mit internationaler Tragweite geleistet haben.

Gruppenfoto "Forschungsteam" in der Neuen KlinikZoomansichtGruppenfoto "Forschungsteam" in der Neuen Klinik

Die vergangenen zwei Jahre waren von der Pandemie geprägt und in vielen Bereichen des Gesundheitswesens sowie der Medizin nicht nur sehr arbeitsintensiv, sondern zum Teil auch eine Periode des wissenschaftlichen Erwachens. Verschiedene Abteilungen und Dienste des Sanitätsbetriebes konnten dabei wichtige Beiträge zu internationalen klinischen Studien liefern und durch eigene Forschungsarbeiten den Wissensschatz über den Umgang mit der Erkrankung beziehungsweise der Pandemie erweitern. So stellte etwa die Abteilung für Allgemeine Chirurgie des Landeskrankenhauses Bozen Informationen zu ihren chirurgischen Fällen für eine weltweite Studie zur Verfügung, die mehrere Bereiche der Allgemeinchirurgie und der Krebschirurgie umfasst. „CovidSurg Collaborative“ nennt sich die internationale Studienplattform, die dafür genutzt wurde. Über diese Plattform tauschen sich Chirurgen und Anästhesisten aus über 80 Ländern aus. Auch das klinische chirurgische und onkologische Team aus Bozen unter der Leitung von Antonio Frena mit Giulia Armatura, Giacomo Bertelli, Francesca Notte, Peter Marinello, Stefan Patauner und Giovanni Scotton nutzten und nutzen diese Möglichkeit. Die große Datenmenge, die von diesem Team produziert wurde, ermöglichte die Durchführung mehrerer klinischer Studien, die in der Folge zu wissenschaftlichen Artikeln in führenden internationalen Fachzeitschriften führten (siehe Liste am Artikelende).*

Die Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen, die federführend an der Bekämpfung von Covid-19 beteiligt waren und sind, hat sich in den vergangenen beiden Jahren ebenfalls intensiviert. So etwa zwischen der Abteilung Pneumologie unter der Leitung von Lucio Bonazza und der Abteilung Infektionskrankheiten unter der Leitung von Elke Maria Erne. Die Abteilung Infektionskrankheiten betreut auch die Covid-19-Sub-Intensivabteilung. Roberto Dongilli, Leiter der pneumologischen Subintensivstation und Greta Spoladore, stellvertretende Leiterin der Abteilung für Infektionskrankheiten, haben sich gemeinsam mit weiteren Fachleuten für Pneumologie und Infektionskrankheiten des Landeskrankenhauses Bozen an verschiedenen Studien beteiligt, die anschließend in internationalen Fachzeitschriften veröffentlicht wurden. So wurde etwa Ende 2020 im European Respiratory Journal - einer der wichtigsten internationalen Fachzeitschriften auf dem Gebiet der Atemwegserkrankungen - eine Beobachtungsstudie an über 600 Patienten veröffentlicht, welche die Sicherheit und Wirksamkeit des Einsatzes nicht-invasiver Atemunterstützung (hohe Sauerstoffzufuhr, CPAP und nicht-invasive Beatmung) bei der Behandlung von SARS-CoV-2-Pneumonie außerhalb der Intensivstation belegen konnte.

Außerdem hat die Covid-19-Sub-Intensivabteilung in Zusammenarbeit mit dem Pharmazeutischen Dienst an einer nationalen multizentrischen Studie teilgenommen, die von der italienischen Arzneimittelbehörde (AIFA) und der Ethikkommission des Spallanzani-Instituts in Rom genehmigt und im European Respiratory Journal veröffentlicht wurde. Thema: Die Verwendung von hochdosiertem Kortison zusätzlich zur Standardbehandlung bei Patienten mit SARS-CoV-2-Pneumonie, welche die Sicherheit der Verwendung sowie die Wirksamkeit niedriger Dosen bestätigte.

Zu nennen ist auch die im Februar 2022 im American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine, einer der wichtigsten internationalen Zeitschriften auf dem Gebiet der Atemwegserkrankungen, veröffentlichte Studie. An dieser waren neben Bozen mehrere italienische Universitäts-Intensivstationen und Lungenabteilungen sowie die Universität Toronto (Kanada) beteiligt. Diese Studie ist ein weiterer Meilenstein und die Basis für eine künftige Neudefinition des ARDS, des akuten Atemnotsyndroms. Ausgehend von der Verwendung hoher Sauerstoffströme, einer Form der nicht-invasiven Atemunterstützung, die von den Patienten besonders gut vertragen wird und bei SARS-CoV-2-Pneumonie in der Covid-19-Subintensivstation des Landeskrankenhauses Bozen oft genutzt wird. Zu Beginn der Pandemie durch SARS-CoV-2 hat die von Michael Mian geleitete und in Zusammenarbeit mit der ASTAT, der EURAC und der Operativen Einheit für klinische Führung durchgeführte Grödenstudie, wichtige Einblick in die Epidemiologie, Infektionsausbreitung und Immun- sowie Infektionsstatus ermöglicht. Des Weiteren wurden im Rahmen dieses Forschungsprojektes biologische Proben gesammelt, welche ihrerseits einen Beitrag zu großen, weltweiten Forschungen geleistet haben. Gerade in der Pandemie hat sich herauskristallisiert, dass die Forschung eine Schlüsselrolle in der Gesundheitsversorgung spielt - und zwar nicht nur in Zeiten der Not. Der Südtiroler Sanitätsbetrieb weiß, wie wichtig dieser Bereich ist und setzt sich seit Jahren erfolgreich für die Wissenschaft ein, beteiligt sich an internationalen Studien und führt auch erfolgreich eigenständige Forschungsprojekte durch. Um die Anstrengungen der einzelnen Forschungstreibenden und deren Abteilungen und Dienste zu verbessern, wurde im April 2021 der Dienst für Forschung, Innovation und Lehre (IRTS) gegründet (http://sabes.it/IRTS). Unter der Leitung von Michael Mian wird dieser Dienst in Zukunft gemeinsam mit der Leitung des Sanitätsbetriebes sowie mit den Forschungstreibenden daran arbeiten, den Bereich der Forschung weiter auszubauen. Auch mit dem Ziel, zusätzliche Entwicklungsmöglichkeiten für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu schaffen und - besonders wichtig - neue Behandlungsmöglichkeiten für Patienten zu entwickeln.

*Die Beiträge des klinischen chirurgischen und onkologischen Teams aus Bozen betreffen elektive Krebsoperationen während der Pandemie:

  • Elective Cancer Surgery in COVID-19-Free Surgical Pathways during the SARS-COV-2 Pandemic: an International, Multicenter, Comparative Cohort Study, veröffentlicht im Oktober 2020 im Journal of Clinical Oncology;
  • Effect of COVID-19 pandemic lockdowns on in COVID-19 planned cancer surgery for 15 tumour types in 61 countries: an international, prospective, cohort study, veröffentlicht im November 2021 im Lancet Oncology;
  • drei Studien, die 2021 im British Journal of Surgery veröffentlicht wurden und sich mit der Vorhersage des chirurgischen Sterberisikos während der Pandemie befassen (Machine learning risk prediction of mortality for patients undergoing surgery with perioperative SARS-CoV-2: the COVID Surgmortality score) Sterblichkeit aufgrund von Lungenkomplikationen nach chirurgischen Eingriffen in der Pandemiezeit und die Beziehung zwischen nasopharyngealen Tests und Komplikationen der Atemwege nach chirurgischen Eingriffen (Preoperative nasopharyngealswab testing and postoperative  pulmonary complications in patients undergoing elective surgery during the SARS-CoV-2 pandemic).

*Die Beiträge der Abteilungen Pneumologie und Infektionskrankheiten:

  • Feasibility and clinical impact of out-of-ICU non invasive respiratory support in patients with COVID-19 related pneumonia, European Respiratory Journal, 2020.
  • High-Flow Nasal Oxygen for Severe Hypoxemia Oxygenation Response and Outcome in Patients with COVID-19, American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine, February 2022.
  • Intravenous methylprednisolone pulses in hospitalised patients with severe COVID-19 pneumonia, A double-blind, randomised, placebo controlled trial, European Respiratory Journal, 2022, in press.

*Bisherige Publikationen, die aus der Grödenstudie hervorgegangen sind:

  • Prevalence and determinants of serum antibodies to SARS-CoV-2 in the general population of the Gardena valley. (Epidemiol Infect. 2021 Aug 3;149:e194).  PMID: 34645534, DOI: 10.1017/S0950268821001886.
  • Mapping the human genetic architecture of COVID-19. (Nature. 2021 Dec;600(7889):472-477.
  • Prospective Epidemiological, Molecular, And Genetic Characterization Of A Novel Coronavirus Disease In The Val Venosta/Vinschgau: The CHRIS COVID-19 Study Protocol. (Pathogens and Global Health Pathog Glob Health. 2021 Oct 12;1-9).

(PAS)



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