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Südtiroler Sanitätsbetrieb | 26.07.2022 | 17:41

Affenpocken: “Nicht beunruhigend, aber trotzdem nicht ohne Risiken“

Vor Kurzem hat die Weltgesundheitsorganisation WHO zum Thema Affenpocken den internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. In Südtirol sind nach einem bestätigten Fall keine weiteren Infektionen mehr bekannt.

Primarin Elke Maria ErneZoomansichtPrimarin Elke Maria Erne

„Grundsätzlich verläuft eine Infektion mit Affenpocken nicht tödlich, das heißt aber nicht, dass wir die Risiken auf die leichte Schulter nehmen sollten“, so Elke Maria Erne, Primarin der Abteilung für Infektionskrankheiten am Krankenhaus Bozen. Vorsicht ist also angebracht, Alarmismus jedoch übertrieben – so die Quintessenz des nachfolgenden Interviews mit der Primarin.

Dr.in Erne, nun müssen sich die Gesundheitsbehörden nach Corona mit den Affenpocken befassen, welche alles in allem nicht eine tödliche Gefahr bergen. Müssen wir uns trotzdem Sorgen machen?
Ein wenig schon, weil die WHO die Bekämpfung dieses Virus am 23. Juli zu einem moderaten gesundheitlichen Notstand erklärt hat. Auch wenn die Krankheit nicht schwer verläuft, so breitet sie sich doch aus und wir wissen noch nicht, wie sich das Ganze entwickelt. Es ist das erste Mal, dass eine nicht endemische Infektion Herde in vielen Ländern aufweist. Deshalb könnte auch eine Pandemie entstehen, mit allen daraus resultierenden Problemen. Auch wenn man erwähnen muss, dass diese weniger schwerwiegend verlaufen würde als Corona.

Wie wird die Infektion übertragen und welchen Verlauf hat die Erkrankung?
Die Übertragung erfolgt von Mensch zu Mensch durch Nähe, durch den Kontakt über die Schleimhäute und die Haut, wenn diese Geschwüre, Blasen oder Pusteln aufweist, die das Virus enthalten. Auch Sexualkontakte sind mögliche Übertragungswege, wie auch sog. Droplets (Atemtröpfchen), aber bei Letzterem braucht es dafür eine sehr viel geringere Distanz als bei Corona. Außerdem kann eine Übertragung durch einen Kontakt mit Gegenständen aus dem Besitz der infizierten Person stattfinden, z.B. mit deren Leintüchern oder Kleidung. Was den Verlauf anbelangt, so zeigen sich in den allermeisten Fällen nur leichte Symptome wie Fieber, starke Kopfschmerzen, geschwollene Lymphknoten und Hautveränderungen, vor allem im Genital- und perianalen Bereich. Das heißt, wir haben es mit einer sehr begrenzten Ausbreitung zu tun. Natürlich erhöht sich das Risiko, falls mehrere Sexualpartner in Frage kommen, unabhängig ob Mann oder Frau.

In Italien verzeichnet man bis jetzt über 400 Fälle, hauptsächlich in der Lombardei. Wie schätzen Sie die Situation in Südtirol ein?
Bei uns ist die Situation noch im Griff. Bis jetzt wurde nur ein Fall bekannt, dieser ist wieder komplett genesen.

Was können Sie uns zur Impfung gegen Affenpocken sagen?Diese gibt es seit 2013. Außerdem hat die Kommission der EU erst das OK gegeben für die Markteinführung des Impfstoffs Imvanex, welcher von der dänischen Pharmafirma Bavarian Nordic produziert wird, ein Impfstoff, der bereits in der Vergangenheit von der EMA (Europäischen Arzneimittelagentur) empfohlen wurde.

Gibt es Menschen, die eher zu den Risikokategorien gehören als andere?
Für gesunde Personen sind die Risiken relativ überschaubar. Wer eher einen schweren Verlauf befürchten muss, sind Immunsupprimierte, Kinder und all jene, die sich einer immunsupprimierenden Therapie unterziehen.

Dürfen sich Personen, die aufgrund ihres Alters noch die Pockenschutzimpfung erhalten haben, sicherer fühlen?
Die Pockenschutzimpfung schützt bis zu einem gewissen Grad gegen die Infektion mit Affenpocken, aber wir wissen nicht, ob dieser Schutz mit der Zeit nicht nachgelassen hat.

Presse-Informationen: Abteilung Kommunikation, Südtiroler Sanitätsbetrieb

(RL/SF)



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