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Südtiroler Sanitätsbetrieb | 17.11.2022 | 16:12

Gewalt ist nie gerechtfertigt - niemals!

Eine Woche vor dem internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, der alljährlich am 25. November begangen wird, stellt der Südtiroler Sanitätsbetrieb erneut „Erika“ in den Mittelpunkt. Erika ist eine Initiative, die Frauen, die Opfer von Gewalt Art geworden sind, konkrete Hilfe anbietet. Zunächst nur im Gesundheitsbezirk Bozen eingeführt, wurde das Projekt Erika vor zwei Jahren auf ganz Südtirol ausgedehnt.

Von links: Mario La Guardia, Tiziano Garbin, Margherita Toth, Florian Zerzer, Alberto Garzani, Waltraud Deeg, Stefano Esposito Vangone, Julia Maria Binanzer, Sigrid Pisanu, Sandra Girardi e Christa Schrettenbrunner.ZoomansichtVon links: Mario La Guardia, Tiziano Garbin, Margherita Toth, Florian Zerzer, Alberto Garzani, Waltraud Deeg, Stefano Esposito Vangone, Julia Maria Binanzer, Sigrid Pisanu, Sandra Girardi e Christa Schrettenbrunner.

Dank dieses geschützten Weges können sich die Betroffenen direkt an die Schalter in den Notaufnahmen wenden. Kein Warten, kein Ausfüllen von Papieren und vor allem keine Angst oder Scham: Einfach nach Erika fragen.

Im Dezember 2020 wurde das Protokoll Erika in allen Krankenhäusern des Südtiroler Sanitätsbetriebes eingeführt. Grundlage dafür war die vom Amt für Kinder- und Jugendschutz und soziale Inklusion des Ressorts für Familie, Senioren, Soziales und Wohnbau formulierte Absichtserklärung. Ziel des Protokolls war und ist es, einen geschützten Weg für Frauen zu schaffen, die Opfer von Gewalt geworden sind. Unterzeichnet wurde das Protokoll nicht nur vom Südtiroler Sanitätsbetrieb und vom Ressorts für Familie, Senioren, Soziales und Wohnbau, sondern auch von den Ordnungskräften sowie den Anti-Gewalt-Zentren der Frauenhäuser in Südtirol.

Als die Vereinten Nationen am 17. Dezember 1999 den Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen einführten, definierten sie diese Art von Gewalt als „eine der am weitesten verbreiteten, andauerndsten und verheerendsten Menschenrechtsverletzung, die aufgrund von Straflosigkeit, Schweigen, Stigmatisierung und Scham bis heute nicht thematisiert wird.“ Die Misshandlungen, denen viele Frauen ausgesetzt sind, betreffen nicht nur körperliche, sondern vor allem auch emotionale und psychologische Aspekte. Es handelt sich um Gewalt, die oft im häuslichen Umfeld stattfindet und die allzu oft aus Angst, Scham oder Schwäche der Opfer nicht gemeldet wird.

Gerade mit Blick auf die Schwächsten wurde mit Unterstützung des Büros für Leichte Sprache der Lebenshilfe Südtirol/Alto Adige in diesem Jahr eine Version in leichter Sprache der Informationsbroschüre Erika erstellt. Die Broschüre wurde in sechs Sprachen übersetzt (Italienisch, Deutsch, Französisch, Englisch, Spanisch und Albanisch). Bei der grafischen Gestaltung wurden die europäischen Leitlinien für die Kommunikation in leichter Sprache berücksichtigt (https://easy-to-read.inclusion-europe.eu/it/european-standards/).

Das Projekt Erika ist ein fundamental wichtiges“, ist Soziallandesrätin Waltraud Deeg überzeugt. „Deshalb ist es gut, dass die wichtigsten Informationen dazu nun auch in leichter Sprache verfügbar sind. Damit Opfer von Gewalt Hilfe erfahren können, müssen sie Möglichkeiten haben, dies mitzuteilen. Dies gilt für Frauen mit Lernschwierigkeiten, Frauen mit Migrationshintergrund oder Frauen mit einer Behinderung in besonderer Weise. Darum danke ich allen Beteiligten für diese Initiative, die dazu beiträgt, das Projekt Erika bekannter zu machen.“

„Gewalt hat viele Gesichter“, unterstrich Generaldirektor Florian Zerzer bei der Pressekonferenz. „Wenn wir von Gewalt gegen Frauen hören, denken wir oft an sexuelle Gewalt, aber in Wirklichkeit gibt es viele Arten von Gewalt, die auf lange Sicht verheerende Auswirkungen haben können. Dank „Erika“ können Frauen, die Opfer von Gewalt jeglicher Art geworden sind, endlich einen gangbaren Ausweg aus ihrer schwierigen Situation finden.“

Aus den vom nationalen Statistikinstitunt ISTAT veröffentlichten Daten über Gewalt gegen Frauen geht hervor, dass in Italien bei 9,2 von 10.000 Fällen, welche die Notaufnahmen aufsuchen, dies aufgrund von Gewalt gegen Frauen erfolgt. Tiziano Garbin, Pflegekoordinator der Notaufnahme des Landeskrankenhauses Bozen, präsentierte die bisher in Südtirol gesammelten Daten. In den Notaufnahmen des Landes wurden von Dezember 2020 bis heute rund 100 „Erika-Fälle“ registriert.
Christa Schrettenbrunner, Gynäkologin am Landeskrankenhaus Bozen und Südtiroler Referentin des Nationalen Strategieplans gegen männliche Gewalt gegen Frauen, zeigte auf, wie die fachliche Beratung bei sexueller Gewalt abläuft: „Das Opfer wird von Fachleuten empfangen, die neben den psychologischen und medizinischen Aspekten auch die juristischen Aspekte für eine eventuelle Strafverfolgung des Angreifers im Prozess genau beachten.“

Sigrid Pisanu, Sprecherin der Anti-Gewalt-Zentren, präsentierte Daten über die Frauen, die sich im Zusammenhang mit Erika später an eines der vier Zentren für Frauen in Gewaltsituationen gewandt haben. „Dank der im November 2021 gestarteten Sensibilisierungskampagne haben wir einen Anstieg der Zahl von Frauen, die sich an uns gewandt haben. Waren es Jahr 2021 ganze 3 Erika-Fälle, so stieg diese Zahl im Jahr 2022 bereits auf 19. Wir hoffen, dass die Verbreitung des Informationsmaterials in leichter Sprache noch mehr Frauen in Gewaltsituationen dazu bringen wird, Hilfe zu suchen.“

„Leider sind diese Zahlen nur die Spitze des Eisbergs, denn viele Gewalttaten werden als Unfälle „getarnt“ oder von den Opfern selbst aus Angst oder Scham heruntergespielt“, erklärte Tiziano Garbin abschließend. „Dank Erika hoffen wir, dass wir den Frauen, die der Gewalt ein Ende setzen wollen, mehr Hoffnung geben können.“

(TDB/PAS)



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